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Standard-Lizenzen

Um der Forderung nach Vorhersehbarkeit, Verständlichkeit und Transparenz Rechnung zu tragen, sollte statt eigener Lizenzen, wo immer möglich, auf vorhandene Standard-Lizenzen zurückgegriffen werden. Standard-Lizenzen unterscheiden sich vom sonst üblichen Lizenz-verfahren dadurch, dass keine Verhandlung zwischen Anbieter und Nutzer im Einzelfall für die Lizenzierung stattfindet. Vielmehr stellen Standard-Lizenzen sicher, dass

  • auf die einzelfallbezogene Erstellung von Lizenztexten verzichtet wird,
  • die Begriffswelt und die rechtlichen Wirkungen allen Beteiligten ohne nähere Erläuterungen klar sind,
  • Lizenzen unabhängig von der Art der Daten sind sowie
  • eine schnelle und effektive elektronische Abwicklung im Internet möglich ist.

Standard-Lizenzen unterstützen also die erforderlichen Willenserklärungen im Internet (Anerkennung durch »Anklicken«). Anschließend werden vordefinierte Musterlizenzen erstellt, die die oben dargestellten Lizenzparameter beschreiben.

Offene Standard-Lizenzen

Eine Entlassung von Werken in die Gemeinfreiheit (»Public Domain«) vor Ablauf der gesetzlichen Schutzfristen ist in Deutschland nach geltendem Urheberrecht nicht möglich. Stattdessen können »offene Standard-Lizenzen« für jedermann bestimmte unentgeltliche Nutzungsrechte einräumen. Bei der Verwendung von Standard-Lizenzen bleibt stets die Möglichkeit, im Einzelfall andere (z. B. weitergehende) Regelungen mit individuellen Vertragspartnern abzuschließen. Nachfolgend sind Beispiele für offene Standard-Lizenzen aufgeführt.

Datenlizenz Deutschland

Die Datenlizenz Deutschland entstand in Zusammenarbeit von Bund, Ländern und kommunalen Spitzenverbänden im Rahmen der Arbeit am Open Data Portal des Bundes und der Länder (govdata.de). Ihre Nutzungsbestimmungen sind speziell für Verwaltungsdaten in Deutschland entwickelt worden.
Die im Juli 2014 veröffentlichte Datenlizenz Deutschland 2.0 liegt in zwei Varianten vor:

  • Die Variante »Namensnennung« verpflichtet den Datennutzer zur Nennung des jeweiligen Datenbereitstellers.
  • Die Variante »Zero« ermöglicht eine einschränkungslose Weiterverwendung.

Die »Datenlizenz Deutschland« entspricht den Anforderungen der »Open Definition«.
Weitere Informationen im Internet: https://www.govdata.de/lizenzen

Open Data Commons

Open Data Commons (ODC) ist ein Projekt der Open Knowledge Foundation, das rechtliche Lösungen für freie offene Daten bereitstellt. Es pflegt eine Reihe von Lizenzen für freie Datenbanken. Prominentestes Beispiel für offene Daten aus dem Bereich der Geodaten ist OpenStreetMap (www.openstreetmap.org). OpenStreetMap ist eine freie, editierbare und im Internet aufrufbare Karte. Sie ermöglicht es, geographische Daten gemeinschaftlich von überall auf der Welt zu nutzen und zu bearbeiten.
Weitere Informationen im Internet: http://opendatacommons.org

Creative Commons

Creative Commons (CC) ist eine gemeinnützige Gesellschaft, die im Internet verschiedene Standard-Lizenzverträge veröffentlicht. Auf einfache Weise können Urheber Nutzungsrechte an ihrem Werk einräumen. CC hat das Ziel, die Lizenzierung mittels vorgefertigter Musterlizenzverträge zu vereinfachen. Der einfachste CC-Lizenzvertrag verlangt vom Nutzer (Lizenznehmer) lediglich die Namensnennung des Urhebers / Rechteinhabers (Lizenzgeber). Darüber hinaus können weitere Einschränkungen getroffen werden, je nachdem

  • ob der Rechteinhaber eine kommerzielle Nutzung zulassen will oder nicht,
  • ob Bearbeitungen erlaubt sein sollen oder nicht und
  • ob Bearbeitungen zu den gleichen Bedingungen der ursprünglichen Lizenzsache weitergegeben werden müssen oder nicht.

Die CC-Lizenztypen setzen sich aus vier Grundelementen zusammen, die jeweils durch ein Symbol dargestellt sind. Durch die Kombination dieser Grundelemente (Namensnennung ist immer verlangt, eine Weitergabe unter gleichen Bedingungen wird nur für Bearbeitungen als sinnvoll erachtet) ergibt sich eine Auswahl von insgesamt sechs CC Lizenzen, die angepasst auf deutsches Recht (Version 3.0) zur Verfügung stehen. Sie sind in der folgenden Tabelle aufgeführt.

 

Symbole Lizenzinhalte

CC-BY

Namensnennung

BY-ND

Namensnennung + Keine Bearbeitung

BY-NC

Namensnennung + Nicht kommerziell

BY-NC-ND

Namensnennung + Nicht kommerziell + Keine Bearbeitung

BY-NC-SA

Namensnennung + Nicht kommerziell + Weitergabe unter gleichen Bedingungen

BY-SA

Namensnennung + Weitergabe unter gleichen Bedingungen

Weitere Informationen im Internet: http://de.creativecommons.org

 

GeoLizenz der Kommission für Geoinformationswirtschaft

Die aktuell vorliegende »GeoLizenz V1.2« wurde von der TaskForce »GeoBusinessLizenz« der vom BMWI gegründeten Kommission für Geoinformationswirtschaft (GIW-Kommission) als einfache und klickfähige Lizenz in acht Varianten entwickelt. Sie ist für alle Geodaten, Geodatendienste und Metadaten anwendbar und beschreibt:

  • Nutzungsrechte (kommerziell / nicht-kommerziell, offene / geschlossene Nutzergrup-pe, mit / ohne Weiterverarbeitung),
  • Nutzungsbedingungen (Quellvermerke, Datensicherheit, Mindeststandards nach INSPIRE) sowie
  • sonstige Empfehlungen auch außerhalb der Lizenz als Produkt-Attribute (Daten¬schutz, Datenqualität, Zugriffsrechte, Kosten etc.).

Unter https://www.geolizenz.org/index/page.php?p=GL/opendata existiert eine spezielle Open Data Variante (»GeoLizenz 1.2.1-Open«).
Voraussetzung für einen erfolgreichen Abschluss des Lizenzierungsprozesses bilden die Verfügbarkeit digitaler Produktinformationen auf Anbieterseite sowie die korrekte Angabe der erforderlichen Daten von Seiten des Nutzers.
Weitere Informationen im Internet: www.geolizenz.org

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